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Genossenschaftsidee

Länderübergreifende Bewerbung aus Sachsen und Rheinland-Pfalz - Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes - Aufnahme in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes

Schulze-Delitzsch-Denkmal in Delitzsch Icon vorheriges Bild Icon nächstes Bild Icon Bild vergrößern

Schulze-Delitzsch-Denkmal in Delitzsch
(© Peter Franke, Leipzig)

Schulze-Delitzsch-Denkmal in Delitzsch Genossenschaftsidee: gemeinsam wachsen

Der zwischenstaatliche Ausschuss der UNESCO zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes hat auf seiner 11. Sitzung am 30. November 2016 in Addis Abeba die Aufnahme der Genossenschaftsidee in die „Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes“ beschlossen. Am 27. März 2015 hatte Deutschland unter dem Titel „Idee und Praxis der Organisation von gemeinsamen Interessen in Genossenschaften“ seine erste Nominierung für die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit eingereicht.

Die Deutsche Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft e. V. (Sachsen) und die Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft e. V. (Rheinland-Pfalz) sind die Träger der Genossenschaftsidee mit ihren sozialen, kulturellen, ethischen, emanzipatorischen und ökonomischen Dimensionen, Werten und Traditionen in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission.

Die Väter der Genossenschaftsidee, Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen, gründeten bereits Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten genossenschaftlichen Organisationen. Ihnen gelang es, aufbauend auf ihren ethischen Werten, den grundlegenden rechtlichen Rahmen für die Genossenschaftsidee zu konstituieren. Dabei schufen sie die Voraussetzungen für eine Vereinigung mit nicht geschlossener Mitgliederzahl und gemeinschaftlichem Geschäftsbetrieb. In den Satzungen wird der Förderzweck festgeschrieben, der sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Interessen dienen kann.

Schulze-Delitzsch beförderte darüber hinaus mit dem von ihm formulierten und bereits 1867 in Preußen in Kraft getretenen Genossenschaftsgesetz, mit politischer Aktivität und durch die Organisation der immer zahlreicher werdenden Genossenschaften in einem 1859 gegründeten Verband maßgeblich die Verbreitung des Genossenschaftsgedankens. Raiffeisen verfolgte dieses Ziel unter anderem durch die Gründung zahlreicher Darlehnskassenvereine, durch Publikationen sowie engagierte Reise- und Vortragstätigkeiten. Dabei knüpfte er umfangreiche Beziehungsnetzwerke vorzugsweise zu Multiplikatoren wie Lehrern, Geistlichen und Amtsträgern. Die Genossenschaftsidee wurde dadurch schnell von weiteren Akteuren aufgegriffen, erfasste bald große gesellschaftliche Kreise, erfuhr eine nationale Verbreitung und fand ihre Anwendung in verschiedensten Lebensbereichen wie Arbeit, Finanzen, Ernährung oder Wohnen. So gingen beispielsweise von Victor Aimé Huber zu dieser Zeit entscheidende Impulse für die Entwicklung genossenschaftlicher Wohnungsunternehmen aus. Diese prägten nicht nur soziales Miteinander, sondern auch Stadtbilder. Heute zeigen zeitgemäße Projekte wie energieeffiziente oder altersgerechte Wohnungen die Innovationsfreudigkeit und den sozialen Anspruch der Wohnungsbaugenossenschaften.

Die Genossenschaftsidee findet sich heute regional und weltweit in nahezu jeder Branche wieder: z. B. in Genossenschaftsbanken, Landwirtschafts- und Handwerkergenossenschaften, Wohnungsbaugenossenschaften und Konsumgenossenschaften bis hin zu Dienstleistungsgenossenschaften und Energiegenossenschaften. Ihnen sind die Grundsätze „Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung“ zu eigen. Ihre Mitglieder erwerben Genossenschaftsanteile und werden damit zu Miteigentümern. Ihre, von der Zahl der erworbenen Anteile unabhängige Stimme, sichert ihnen die Mitbestimmung und die Möglichkeit, aktiv mitzugestalten. Darüber hinaus eint das unabdingbare Ziel der Mitgliederförderung die Genossenschaften, sowohl in sozialer und kultureller, als auch in ökonomischer Hinsicht.

Erhebliche Risiken für den Erhalt und die Weitergabe der Genossenschaftsidee sind ihr sinkender Bekanntheitsgrad innerhalb der jüngeren Bevölkerung, die zunehmende Globalisierung und rein profitorientierte Märkte. Stark gefährdet ist die Idee auch durch veränderte rechtliche Rahmenbedingungen, die der Selbstverwaltung, dem Kunden-Eigentümerprinzip und dem regionalen Bezug entgegenstehen. Um dem entgegenzuwirken, gibt es vielfältige Ansätze, etwa die gezielte Information von Politik und Fachpublikum, Imagekampagnen, die die Bekanntheit der Genossenschaften stärken und ihre Werte und Themen transportieren sollen, sowie Bestrebungen, die Genossenschaftsidee und ihre Rechtsform stärker in der schulischen und universitären Bildung zu verankern.

Das Jahr 2012 rief die UNO zum Internationalen Genossenschaftsjahr aus, um auf die weltweite Bedeutung von Genossenschaften aufmerksam zu machen. Gleichzeitig betonte sie damit aber auch die Notwendigkeit, die vielfältigen Dimensionen der Genossenschaftsidee zu bewahren, sie breiten gesellschaftlichen Kreisen zu vermitteln und den nachfolgenden Generationen zu erhalten.

 

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Kontakte

Deutsche Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft e. V., Dr. Manfred Wilde

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    04509 Delitzsch
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  • schulze-delitzsch-haus@t-online.de

Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft e. V., Josef Zolk

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