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Gesellschaftliche Bräuche und Feste der Lausitzer Sorben im Jahreslauf

Länderübergreifende Bewerbung aus Sachsen und Brandenburg - Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes

Fronleichnam in Ostro Icon vorheriges Bild Icon nächstes Bild Icon Bild vergrößern

Fronleichnam in Ostro
(© Clemens Schkoda)

Fronleichnam in Ostro Vogelhochzeit Hahnrupfen in Sielow Johannesreiten in Casel Maibaumwerfen - Tanz der Jugend Osterreiten Ostersingen »Klappern« der Kinder am Karfreitag und Karsamstag.

Die Lausitzer Sorben sind eine ethnische Minderheit im östlichen Teil Deutschlands. Ihr Siedlungsgebiet erstreckt sich über zwei Bundesländer, vom Süden Brandenburgs bis in den Osten Sachsens. Etwa 60.000 Menschen bekennen sich als Sorben. Es gibt zwei sorbische Sprachen, Ober- und Niedersorbisch, die zur westslawischen Sprachgruppe zählen. Ein Großteil der Sorben ist evangelischer oder katholischer Konfession.

Gegen Ende der Völkerwanderung hatten rund zwanzig sorbische Stämme in dem Raum zwischen den Flüssen Oder, Bober und Queis im Osten und der Elbe und Saale im Westen, zwischen dem späteren Berlin im Norden und den Mittelgebirgen im Süden Fuß gefasst. Die Sorben in der Ober- und Niederlausitz sind Nachkommen jener frühmittelalterlichen Siedler; das heutige Sorbisch – synonym dazu auch Wendisch – ist das einzige von den einstigen Stammesdialekten erhaltene slawische Idiom in Deutschland. Jedoch zeichnen sich die Sorben nicht nur durch ihre eigene Sprache aus, sondern auch durch Eigenarten in der materiellen (z. B.  traditionelle Bauweise, Trachten) wie der immateriellen Volkskultur. Besonders hervorhebenswert erscheinen diesbezüglich die vielfältigen, lebendigen Bräuche im Jahreslauf. Sie werden aktiv gepflegt und sind wichtige Merkmale der sorbischen Identitätsstrategie. In Verbindung mit weiteren ethnischen Markern – wie den sorbischen Trachten oder der Verwendung der sorbischen Sprache – bilden sie wichtige Bausteine der ethnischen und kulturellen Selbstverwirklichung. Darüber hinaus leisten sie einen maßgeblichen Beitrag zur Vermittlung regionalspezifischen kulturhistorischen Wissens und gemeinschaftsbildender Festtraditionen.

Da die Sorben in keinem geschlossenen Siedlungsgebiet leben, sondern gemeinsam mit der deutschen Bevölkerung in einem ethnisch gemischten Territorium, in dem sie – infolge der Assimilation – seit mehr als einem Jahrhundert in der Minderheit sind, werden ihre Bräuche und Feste in den einzelnen Regionen oft ohne Nachfrage nach spezifischen Sprachkenntnissen oder ethnischen Bekenntnissen gepflegt. In diesem Sinne sind die sorbischen Bräuche und Feste nicht nur ethnisch determiniert, sondern weisen häufig eine ethnisch gemischte Trägerschaft auf. Sie sind demnach auch als eine regionale kulturelle Praxis zu verstehen und daher für die gesamte Bevölkerung der Region attraktiv.

Die Ausübungen der sorbischen Bräuche und Feste unterliegen Wandlungsprozessen. Die Träger, Gestalter und Zuschauer lassen sich in allen Generationen finden - von Kindern und Jugendlichen bis hin zu Erwachsenen. Besonders anschaulich zu erleben sind sie z. B. zur Vogelhochzeit (25. Januar), zur sorbischen/wendischen Fastnacht »Zapust« (Januar bis März), zu Ostern oder im Spätsommer nach Einfuhr der Ernte (Hahnschlagen bzw. -rupfen »Kokot«). Die aktive Beteiligung der Brauchausübenden symbolisiert die Verbundenheit zur Heimat und zum sorbischen Volk. Gleichzeitig ist sie Ausdruck der Lebensfreude der Menschen dieser Region. Sie verstehen ihre Bräuche und Feste nicht nur als traditionelles Ereignis, sondern auch als Bestandteil des modernen sorbischen Lebens. So lässt sich beobachten, dass außerhalb der Lausitz lebende Sorben zu Festen und Bräuchen anreisen, um aktiv an ihnen teilzunehmen.

Es werden etwa 30 Bräuche im Jahreslauf gepflegt, beginnend mit der Gemeindeversammlung Woklapnica/»Abklopfen des alten Jahres« bis zum Christkind in der Weihnachtszeit. Die Mehrheit davon wird länderübergreifend, in Sachsen und Brandenburg, begangen. Dennoch haben sich im Laufe der Zeit regionale Unterschiede herausgebildet. So konzentriert sich heute beispielsweise die sorbische/wendische Fastnacht oder das Hahnrupfen auf die Niederlausitz. In der Oberlausitz erfährt das Osterreiten der katholischen Sorben große Aufmerksamkeit im In- und Ausland.

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Domowina - Bund Lausitzer Sorben e.V., Geschäftsführer Bernhard Ziesch

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