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Traditionelles Köhlerhandwerk und Teerschwelerei

Länderübergreifende Bewerbung aus Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern - Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes

Ein historischer Platz in Sachsen: Hier wurde 1455 der sächsische Prinz Albrecht durch den Köhler Schmidt aus den Händen des Ritters Kunz von Kauffungen befreit – jährlich gibt es hier Kohlenmeiler und Aufführungen zur Geschichte des Prinzenraubes. Icon vorheriges Bild Icon nächstes Bild Icon Bild vergrößern

Die »Köhlerhütte« Fürstenbrunn in Sachsen ist ein historischer Platz: Hier wurde 1455 der sächsische Prinz Albrecht durch den Köhler Schmidt aus den Händen des Ritters Kunz von Kauffungen befreit – jährlich gibt es hier Kohlenmeiler und Aufführungen zur Geschichte des Prinzenraubes.
(© Europäischer Köhlerverein e.V. )

Ein historischer Platz in Sachsen: Hier wurde 1455 der sächsische Prinz Albrecht durch den Köhler Schmidt aus den Händen des Ritters Kunz von Kauffungen befreit – jährlich gibt es hier Kohlenmeiler und Aufführungen zur Geschichte des Prinzenraubes. Erdmeiler zum Köhlerfest 2013 – Meilerplatz Sosa in Sachsen Köhlereimuseum Stemberghaus/Oberharz (Sachsen – Anhalt):Zur Eröffnung des ersten Köhlereimuseums in Deutschland in der Köhlerei Stemberghaus 1997 war gleichzeitig die Geburtsstunde des Europäischen Köhlervereins. 12 Mitglieder haben am 3. Oktober 1997 hier den Europäischen Köhlerverein gegründet. Entfachung des Kindermeilers zum Köhlerfest Seit der Ansiedlung der Römer am Niederrhein gibt es schriftliche Nachrichten über die Herstellung von Holzkohle. Das älteste gewerbliche Handwerk hier war die Köhlerei, da hier in der Bronzezeit Holzkohle und Teer Kindermeiler zum Köhlerfest der Köhlergemeinschaft Reichswalde hergestellt wurde. Bis 1920 wurde am gesamten Niederrhein geköhlert. Im Jahr 1140 siedelten sich Zisterziensermönche in Hardehausen (heute zur Stadt Warburg gehörig) an und gründeten dort ein Kloster. Ihre Tätigkeit brachte einen großen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung für die nähere und weitere Umgebung mit sich. U.a. förderten sie Erze aus den umliegenden Bergen und verarbeiteten diese mit Hilfe von in den umliegenden Wäldern verschwelter Holzkohle und Hammerwerken weiter. An die bis zum Ende des 18. Jahrhunderts andauernde Köhlerei erinnert seit 2009 der Aufbau und das Verschwelen eines Kohlenmeilers auf dem Gelände des ehemaligen Klosters, seit 1945 Jugendhaus des Erzbistums Paderborn. Die Teeröfen von Wiethagen, 1837 bzw. 1854 erbaut, hatten eine wechselvolle Geschichte. Sie sind nach jetzigem Erkenntnisstand wohl noch die einzigen existierenden funktionstüchtigen historischen Anlagen. Sie sind Zeugen eines weltweiten technischen Entwicklungsprozesses und Vorläufer modernster Technologien. Gemauerter Meilerofen auf dem Meilerplatz Jesberg (Entfachungsphase) Kindermeiler und großer Meiler zum Köhlerfest im August 2013 in Bad Kohlgrub/Bayern Alexander Carbonarius – Schutzpatron der Köhler Mit der Übergabe des „Meilerplatzes mit Schauköhlerei“ am 10.09. 2004 wurde durch den Europäischen Köhlerverein der Ehrentitel “Stützpunkt der traditionellen Köhlerei des Europäischen Köhlervereins in Thüringen“ verliehen. Teerofen auf dem Köhlerplatz Forsthaus Häuselloh/Selb (Bayern): Gruppe bei den Rekonstruktionsarbeiten eines alten Teerofens, der im Forst Selb ausgegraben wurde und inzwischen wieder funktioniert.

Die Verkohlung von Holz ist eines der ältesten Handwerke der Menschheit auf der ganzen Welt. Heute findet man alle Stufen seiner technischen Entwicklung nebeneinander vor – vom Jahrtausende alten Prinzip des Kohlenmeilers im brasilianischen Urwald oder im deutschen Erzgebirge bis hin zur modernen Syntheseanlage für Biosprit in den hochentwickelten Industriestaaten.

Nur das eigentliche technische Verfahren – die thermische Umwandlung von Biomasse, die trockene Destillation oder Pyrolyse – ist gleich geblieben. Dabei werden Stoffe erzeugt, die enweder hauptsächlich von fester Konsistenz (Holzkohle), flüssiger Konsistenz (Holzteer=Bioöl) oder gasförmiger Konsistenz (Holzgas) sind. Im Grunde genommen ist es nichts anderes als die Wiederfreisetzung der in der Biomasse gespeicherten Sonnenenergie zum Zwecke der Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen.

In früheren Zeiten überwog, je nachdem, welche Produktart man überwiegend benötigte, die eine oder andere Verfahrensweise: In Ländern, in denen viel Erz geschmolzen und Eisen verarbeitet wurde, erzeugte man viel Holzkohle. Nur mit ihr konnten die notwendigen Temperaturen erzeugt werden. Die seefahrenden Länder brauchten riesige Mengen an Holzteer und -pech, denn nur damit konnte man die Schiffe seefest machen und andere Dinge konservieren.

Ohne Holzkohle kein Schwarzpulver und ohne Aktivkohle kein sauberes Wasser. Anfang des vergangenen Jahrhunderts bekam auch Holzgas eine immer größer werdende Bedeutung und so wurden Motoren konstruiert, die statt durch Benzin mit Holz betrieben wurden. Ja, selbst in der Volksheilkunde spielten Holzkohle und Holzteer eine wesentliche Rolle (heute noch in Finnland und in den baltischen Ländern).

Den meisten Menschen von heute ist Holzkohle als Grillkohle ein Begriff, ohne zu wissen, dass dieser Stoff einen entscheidenden Anteil an der Entwicklung der Menschheit hatte. Das ist auch der Grund, dass der Europäische Köhlerverein sich für den Erhalt des Handwerks und die Bewahrung der alten Technologien einsetzt, damit auch nachfolgende Generationen in der Lage sind, ein uraltes Handwerk der Menschheit zu beherrschen und weiterzugeben.

 

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