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Synagogale Chormusik des 19. und 20. Jahrhunderts und jüdische Folklore Mittel- und Osteuropas

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Wolfenbüttel 2013v Icon vorheriges Bild Icon nächstes Bild Icon Bild vergrößern

Wolfenbüttel 2013
(© Leipziger Synagogalchor e.V.)

Wolfenbüttel 2013v Grabsteineinweihung Israel 2010 Amerika 1994 Berlin 1968

Leipziger Synagogalchor e.V.

Der Leipziger Synagogalchor e.V. bewahrt jüdisches Kulturerbe: Synagogale Chormusik und jüdische Folklore.

Der jüdische Gottesdienst war traditionell vom Wechselgesang des Vorbeters/Kantors und der Gemeinde geprägt. Im 19. Jahrhundert brachten Reformen erstmals Männer- und später auch gemischte Chöre in die Synagogen Deutschlands und Mitteleuropas. Ab 1810 wurden Orgeln in jüdische Gotteshäuser gebaut, deren liturgische Musik bis in die 1930er Jahre eine große Blüte erlebte. Komponisten wie Louis Lewandowski oder Salomon Sulzer, die als Chordirigent bzw. als Kantor in reformierten jüdischen Gemeinden in Berlin bzw. Wien wirkten, prägten mit ihren Kompositionen eine Musiktradition, die Elemente der europäischen christlichen Musik aufnahm, ohne die jüdischen Wurzeln zu verlieren.

Mit der Machtergreifung der Nazis, der Reichspogromnacht und der systematischen Ermordung der Juden als Träger dieser Kultur wurde sie jedoch fast vollständig vernichtet. Jüdischen Gemeinden in Deutschland fehlten nach dem Krieg die Mitglieder, heute gestalten vor allem russische Zuwanderer mit eigenen orthodoxen Traditionen das jüdische Gemeindeleben. In Israel und der Diaspora sind die alten Gesänge den Überlebenden des Holocaust aus ihrer Kindheit und Jugend noch bekannt, doch spielen sie in den heutigen Gottesdiensten eine zu geringe Rolle, um diese Erinnerungen am Leben zu halten und an die Enkel weiterzugeben.

Der Leipziger Synagogalchor widmet sich seit seiner Gründung durch den Oberkantor Werner Sander im Jahr 1962 der Bewahrung und Weitergabe dieses verlorenen Erbes und kann selbst schon auf eine lange eigene Tradition zurückblicken. Zum sakralen Repertoire gehören neben den Werken Lewandowskis und Sulzers Synagogalmusik unter anderem von Samuel Lampel, Samuel Alman, Abraham Dunajewski, David Nowakowski und Samuel Naumbourg. Die hebräischen Texte der Gottesdienstgesänge sind Psalmen und Gebete sowie religiöse Texte aus dem Talmud. Mit seiner Interpretation bewahrt der Leipziger Synagogalchor die alte aschkenasische Aussprache des Hebräischen, wie sie in deutschen Synagogen vor dem Holocaust gebräuchlich war, während das moderne Hebräisch in Israel heute von der sephardischen Aussprache geprägt ist. Doch auch Vertonungen deutscher Psalmen- und anderer religiöser Texte sind Teil der Synagogalmusik deutscher Tradition des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, die durch den Chor zur Aufführung gelangt. Zum weltlichen Repertoire des Chores gehört jüdische Folklore in Jiddisch und Hebräisch, die vorwiegend aus den alten jüdischen Gemeinden Litauens, der Ukraine, Polens und Rumäniens stammt.

Der größte Teil der traditionellen Weisen wird in Bearbeitungen von Werner Sander oder Friedbert Groß aufgeführt. Sie haben die Lieder durch einen virtuosen Klavierpart oder kammermusikalische Instrumentalfassungen für die Interpretation im Konzertsaal bereichert; Gesangssolisten übernehmen die Rolle des Erzählers. Seit 2013 ist der Chor um die Erweiterung des jiddischen Repertoires durch die Beauftragung verschiedener Komponisten mit neuen Arrangements für das traditionelle Liedgut bemüht. Zeitgenössische Kompositionen – u. a. von Joseph Dorfman, Bonia Shur und Siegfried Thiele, die teilweise eigens für den Leipziger Synagogalchor geschrieben haben – ergänzen die Konzertprogramme. Nach Werner Sanders Tod im Jahr 1972 übernahm der Tenor Helmut Klotz für 40 Jahre die Leitung des Chores, im Jahr 2012 ging sie auf den Bariton und Chordirigenten Ludwig Böhme über.

Auch die heutige Zusammensetzung des Ensembles aus langjährigen und neu gewonnenen Sängerinnen und Sänger steht für Tradition und Weitergabe an kommende Generationen. Etwa 15 Konzerte jährlich im In- und Ausland, die musikalische Mitwirkung bei Filmvorführungen oder Ausstellungen, Berichte in den Medien und außermusikalische Aktivitäten wie die Sanierung der Grabstätte des Chorgründers Werner Sander und die geplante Verlegung eines Stolpersteins für den Leipziger Kantor Samuel Lampel erfüllen Aufgabe und Anliegen des Leipziger Synagogalchores, das verdrängte musikalische jüdische Erbe zu pflegen.

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Weitere Informationen

Kontakt

Leipziger Synagogalchor e.V., c/o Haus des Buches Leipzig

  • SymbolPostanschrift:
    Gerichtsweg 28
    04103 Leipzig
  • SymbolTelefon:
    (+49) (0)341-99 54 407
  • kontakt@synagogalchor-leipzig.de
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