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Tradition und Aufführungspraxis geistlicher Musik durch sächsische Knabenchöre

Landesspezifische Bewerbung - Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes

Kapellknaben in der Kathedrale unter Domkapellmeister Liebich (2013)v Icon vorheriges Bild Icon nächstes Bild Icon Bild vergrößern

Kapellknaben in der Kathedrale unter Domkapellmeister Liebich (2013)
(© Musica Sacra Saxoniae Stiftung zu Dresden)

Kapellknaben in der Kathedrale unter Domkapellmeister Liebich (2013)v Thomanerchor in der Thomaskirche unter Thomaskantor Biller (2010) Hofkirche: Kapellknaben beim Einzug zur Vesper (2010)v Der Kreuzchor singt die Matthäuspassion unter Kreuzkantor Kreile (2006)v Probe der Kruzianer in der Kreuzkirche unter Kreuzkantor Mauersberger 1962v Katolische Schlosskapelle Dresden, Gottesdienst nach 1719v Johann Sebsatian Bach Dresdner Schlosskapelle, Kantorei mit Kapellknaben unter Heinrich Schütz

Thomanerchor Leipzig
Kreuzchor Dresden
Dresdner Kapellknaben

Seit dem 13. Jahrhundert entstanden in Sachsen Knabenchöre mit der Hauptaufgabe, die Liturgie musikalisch zu gestalten: an der Thomaskirche in Leipzig der Thomanerchor (1212 gegründet), an der Kreuzkirche in Dresden der Kreuzchor (erste Erwähnung 1300) und an der Schlosskapelle in Dresden 1548 die Hofkapelle mit Knabenstimmen, aus denen 1709 die heutigen Dresdner Kapellknaben wurden.

Der spezifische Klang des Knabenchors, bei dem die Sopran- und Altstimmen von Knaben, die Tenor- und Bassstimmen von jungen Männern gesungen werden, wurde unter Förderung durch die kursächsischen Landesherren und die sächsischen Städte seit dem 16. Jahrhundert von hochrangigen Musikern geleitet, die eigens dafür Werke schufen, die auch die besonderen örtlichen akustischen Bedingungen berücksichtigten. Dies gilt für die Motetten und geistlichen Chorwerke des Dresdner Hofkapellmeisters Heinrich Schütz (1585-1672) oder die Kantaten und Oratorien des Thomaskantors Johann Sebastian Bach (1685-1750) in Leipzig. Diese Tradition wurde in den folgenden drei Jahrhunderten von Thomaskantoren, Kreuzkantoren und Hofkapellmeistern fortgeführt, zu nennen wären unter vielen anderen Gottfried August Homilius (1714-1785), Johann Gottfried Naumann (1741-1801) und Carl Maria von Weber (1786-1801).

Ungeachtet der nach der Reformation unterschiedlichen liturgischen Verpflichtungen verlief die musikalische Entwicklung aller drei Chöre vergleichsweise parallel, für die Auswahl der musikalischen Leiter und die zur Aufführung gelangenden Komponisten waren konfessionelle Überlegungen nicht vordergründig. Die drei sächsischen Knabenchöre haben die politischen Umbrüche und Systemwechsel des 20. Jahrhunderts überstanden. Die Dresdner Kapellknaben sind heute in Trägerschaft der Diözese Dresden-Meißen, der Thomanerchor in Trägerschaft der Stadt Leipzig und der Kreuzchor in Trägerschaft der Landeshauptstadt Dresden. Alle drei Chöre unterhalten jeweils ein Internat und sind mit einem Gymnasium verbunden.Die Sänger werden nach Maßstab des Talents ausgewählt, konfessionelle oder religiöse Vorgaben gibt es nicht.

In der heutigen Aufgabenstellung der Chöre hat der liturgische Gesang nach wie vor eine wesentliche Rolle, die Kreuzchorvespern und die Gottesdienste in der Dresdner Hofkirche mit den Kapellknaben ziehen jedes Jahr zehntausende von Zuhörern an, ebenso wie die Motetten- und Oratorienaufführungen sowie Gottesdienste der Thomaner in Leipzig. Die Chöre sind durch geistliche Konzerte ein Bestandteil des Musiklebens ihrer Stadt und werden durch zahlreiche Einladungen zu Auslandsreisen auch international beachtet.

Die drei Knabenchöre führen die musikalische Tradition in individueller Schwerpunktsetzung fort. Die Leipziger Thomaner sind besonders Johann Sebastian Bach verpflichtet, die Dresdner Chöre Heinrich Schütz. Ergänzt wird die Traditionspflege durch Aufführungen neuer Werke, die speziell für den jeweiligen Chor komponiert werden; die musikalischen Leiter dieser Chöre treten auch heute mit eigenen Kompositionen hervor, prominentes Beispiel ist der frühere Kreuzkantor Rudolf Mauersberger (1889-1971).

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Musica Sacra Saxoniae Stiftung zu Dresden, Stephan Zimmer (Präsident)

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